Was ist Urban Ecovillage Hannover?

Geplant ist ein experimentelles Wohn- und Lebensquartier für bis zu ca. 1.000 Menschen. Umgesetzt werden soll die Vision eines nachhaltigen Baugebietes in einer Großstadt mit einem geringen ökologischen Fußabdruck und mit einem hohen sozialen Standard – ein Ökodorf im urbanen Umfeld. Dabei sollen eine Reduktion des Ressourcenverbrauchs aufgrund einer selbstbegrenzten Lebensweise („Suffizienz“) und gemeinschaftliche Lebensformen im Mittelpunkt stehen. Angestrebt wird ein Leuchtturmprojekt im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt 2025 – unter Einsatz modernster Technik und wissenschaftlich begleitet.

Beabsichtigt sind möglichst niedrige Baukosten bzw. Mieten, insbesondere für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen durch:

  • relativ wenig individuellem Wohnraum (Zielzahl 25 m² pro Person), welcher durch gemeinschaftlich genutzte Räume ergänzt wird
  • möglichst niedrige Kosten für das Baugrundstück durch ein günstiges Erbbaurecht,
  • kostensparende Bauweisen, wenn gewünscht mit Eigenarbeit.

Angestrebt werden verschiedene nachhaltige Bauformen - von der größten Tiny-Haus-Siedlung Europas über Gartenstadt-Konzepte bis zu mehrgeschossigen Gebäuden für Baugemeinschaften. Neben Experimentierfeldern des urbanen Hochbaus sollen auch z.B. flexible portable Modulkonzepte mit hohem Autarkiegrad erforscht und umgesetzt werden.

Das Projekt entwickelt sich fortwährend auf der Basis gemeinsam ausgehandelter Grundwerte und Ziele, die für ein sozialverträgliches Planen, Bauen und Zusammenleben einstehen. Sie geben neben den Wohnformen auch anderen sozialen oder ökonomischen Aspekten eine hohe Bedeutung: Flächen für den Lebensmittelanbau, Inklusion, Kooperation, Generationensolidarität, ein Tausch- und Leihsystem für die Bewohner*innen, usw.

Stadtentwicklung von unten

Bei der Auftaktveranstaltung des Projektes am 24.01.2019 waren ca. 300 Personen anwesend und aktuell arbeiten 14 Arbeitsgruppen mit mehr als 200 Beteiligten am Konzept Ecovillage Hannover. Dabei sind neue Interessenten stets willkommen. Am 01.06.2019 soll bei einer Visionskonferenz der bis dahin entwickelte Planungsstand diskutiert und über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Auf d Internet-Seite haben sich bis heute (16.04.) 930 Personen registriert, um über den Projektfortgang informiert zu werden. 603 können sich vorstellen, im Ecovillage zu wohnen, 322 davon als Mieter*innen und 281als Eigentümer*innen. 86 haben handwerkliche Qualifikationen und wollen beim Bau ihres zukünftigen Zuhauses selber anpacken. 83 sind unter 30 Jahre alt, 73 sind Profis aus Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung und dem Ingenieurbereich und 18 weitere studieren diese Fächer.

Wo soll das Projekt realisiert werden?

Nach Gesprächen mit der Stadt Hannover werden aktuell drei Flächen vertieft untersucht:

Nördlich angrenzend an die vorhandene Kronsberg-Bebauung steht eine ca. 50.000 m² große der Stadt gehörende baureife Fläche zur Verfügung, auf der wegen eines schon bestehenden Bebauungsplans relativ kurzfristig bis zu ca. 400 Wohneinheiten errichtet werden könnten. Die Fläche hat auch den Vorteil, dass es wiederum nördlich daran angrenzend eine auch der Stadt gehörende ca. 150.000 m² große Erweiterungsfläche gibt, für die bei weitergehendem Bedarf ein Bebauungsplan erarbeitet werden könnte.

Alternativ zu obiger Fläche gibt es zwei grundsätzlich in Frage kommende, aber im Privateigentum befindliche Flächen: Eine Gewerbebrache in Stöcken (ca. 50.000 m² DB-Ausbesserungswerk Leinhausen und Randflächen) und eine aufgegebene Kleingartenfläche am Eilenriederand in Kirchrode (45.000 m²; Bischofshol). Bei beiden Flächen ist jedoch ein aufwändiges und u.a. voraussichtlich mit dem Naturschutz strittiges Bebauungsplanverfahren erforderlich, sodass voraussichtlich erst in frühestens fünf Jahren dort gebaut werden könnte.

Bei der Konferenz am 01.06. soll ein Meinungsbild darüber entstehen, ob sich diese Flächen für unser Vorhaben eigenen und welche davon wir favorisieren.

Die Projektorganisation

Initiator und derzeitiger Projektkoordinator ist der Verein Transition Town Hannover e.V. Die vor kurzem gegründete Gesellschaft für außergewöhnliche Zusammenarbeit e.V. unterstützt den „bottom-up“- Organisationsprozess. Für die Projektumsetzung ist es jedoch notwendig, eine eigenständige Organisationsstruktur zu schaffen.

Zurzeit werden die Vor- und Nachteile verschiedener Rechtsformen untersucht. Dabei zeichnet sich die beiliegend dargestellte (noch im Detail zu diskutierende) Genossenschaftskonstruktion als Favorit ab. Hierbei werden sowohl zukünftige Mieter*innen als auch Menschen berücksichtigt sind, die sich Wohneigentum schaffen wollen. Genossenschaften sind gemeinwohlorientiert, sehr demokratisch (jede Person hat eine Stimme unabhängig vom eingebrachten Kapital) und es gibt jahrzehntelange gute Erfahrungen mit Bau- und Wohnungsgenossenschaften.